Am 9. Mai 2026 kommt der Westdeutsche Basketball-Verband zu seinem ordentlichen Verbandstag in Duisburg zusammen.
Auf der Tagesordnung stehen unter anderem Berichte, Entlastungen und der Haushalt für das laufende Jahr. Doch die eigentliche Dynamik liegt hinter den Formalien: Der Verband steht vor strukturellen Fragen und wachsenden Anforderungen im organisierten Sport. Gleichzeitig zeigt sich, dass Basketball boomt – während Infrastruktur und Ressourcen zunehmend an Grenzen stoßen.
Im Interview spricht Uwe J. Plonka, Präsident des WBV, über die aktuelle Lage, zentrale Herausforderungen und die Weichenstellungen, die jetzt anstehen.
Welche Themen stehen beim Verbandstag im Mittelpunkt?
Formal ist die Tagesordnung überschaubar. Inhaltlich sind die Themen jedoch relevant. Ein Schwerpunkt liegt auf den Finanzen. Der Jahresabschluss fällt positiv aus. Das ermöglicht es, vorerst auf eine Beitragserhöhung zu verzichten. Für die Vereine ist das eine wichtige Nachricht.
Gleichzeitig steigen die Kosten in vielen Bereichen – etwa für Personal, Sachmittel und Infrastruktur. Das wird mittelfristig zu neuen Herausforderungen führen. Deshalb müssen wir klären, wie wir den Verband strukturell und finanziell zukunftsfähig aufstellen.
Wo siehst du die größten strukturellen Herausforderungen?
Das zentrale Thema ist die Belastung im Ehrenamt. Die Aufgaben sind in den vergangenen Jahren deutlich umfangreicher geworden. Viele Funktionen lassen sich kaum noch rein ehrenamtlich bewältigen. Das Präsidentenamt ist ein gutes Beispiel: Es hat sich faktisch zu einer Vollzeitaufgabe entwickelt. Das kann auf Dauer nicht selbstverständlich sein. Eine mögliche Lösung wäre der Ausbau hauptamtlicher Strukturen. Das ist sinnvoll, erfordert aber zusätzliche finanzielle Mittel. Diese müssten von den Vereinen getragen werden. Dafür braucht es einen breiten Konsens.
Wie entwickelt sich der Basketball insgesamt?
Die Mitgliederzahlen bleiben hoch. In den vergangenen Jahren ist der Basketball stark gewachsen. Inzwischen flacht diese Entwicklung jedoch ab. Die Ursachen liegen nicht in der Nachfrage, sondern in den Rahmenbedingungen: Es fehlen Hallenkapazitäten, Trainerinnen und Trainer sowie organisatorische Ressourcen. Ein Beispiel verdeutlicht das: In Berlin stehen rund 10.000 Kinder auf Wartelisten. Das zeigt, dass wir strukturell an Grenzen stoßen.
Welche Anträge liegen für den Verbandstag vor?
Ein Antrag sieht vor, den Begriff „Damen“ durch „Frauen“ zu ersetzen – sowohl in den Ligenbezeichnungen als auch in der Kommunikation. Inhaltlich ist das nachvollziehbar und entspricht Entwicklungen in anderen Sportarten. Die Antragskommission weist jedoch darauf hin, dass der Antrag formal unvollständig ist, da konkrete Bezugnahmen auf Satzungen und Ordnungen fehlen. Ein weiterer Antrag stammt von einem Kreisverband. Er ist formal unzulässig, da nur Vereine antragsberechtigt sind.
Wie bewertest du die Entwicklung des Verbandes insgesamt?
Der Verband hat in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht, vor allem in der Digitalisierung. Die Website wurde modernisiert, Prozesse verbessert und die Kommunikation effizienter gestaltet. Gleichzeitig besteht weiterhin Handlungsbedarf, insbesondere im IT-Bereich. Themen wie E-Mail-Infrastruktur und Datensicherheit müssen weiterentwickelt werden.
Welche Rolle spielen neue Kommunikationsformate wie Podcasts?
Solche Formate können sinnvoll sein, wenn sie strategisch eingesetzt werden. Entscheidend ist die Zielsetzung: Wen wollen wir erreichen – und mit welchem Inhalt? Reichweite allein reicht nicht aus. Aufwand und Nutzen müssen in einem angemessenen Verhältnis stehen.
Mit welchem Gefühl gehst du in den Verbandstag?
Ich erwarte einen sachlichen und konstruktiven Verlauf. Der Verbandstag ist ein wichtiger Ort für Austausch und Orientierung. Es geht darum, gemeinsam zu klären, wo wir stehen und wie wir uns weiterentwickeln wollen. Genau darin liegt der eigentliche Wert dieser Veranstaltung.
Das Interview führte Rüdiger Tillmann, Pressesprecher des Westdeutschen Basketball-Verbands.




